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Unsere Geschichte

Ein Ort geprägt von Vision, Verlust und Erneuerung

01
Einleitung

Schloss Leopoldskron war nie ein statisches Denkmal.
Von Beginn an wurde es von starken Persönlichkeiten, mutigen Ideen und den großen Strömungen der europäischen Geschichte beeinflusst.
Was einst als Ausdruck persönlicher Ambition entstand, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Ort für Kunst und Austausch und spiegelt sowohl den Glanz als auch die Brüche seiner Geschichte wider.
Am Rand der Stadt Salzburg gelegen, befand sich das Schloss immer zwischen verschiedenen Welten: höfisch und kreativ, privat und öffentlich, still und zugleich ausdrucksstark.
Seine Geschichte ist eine von Vorstellungskraft und Anspruch – unterbrochen durch Umbrüche und immer wieder neu belebt von Menschen, die an seine tiefere Bedeutung geglaubt haben.

02
Unsere Geschichte
Stein, Symmetrie und Aufstieg

Die Zeit der Familie Firmian

Schloss Leopoldskron wurde im 18. Jahrhundert von Leopold Anton von Firmian, Fürsterzbischof von Salzburg, als Familiensitz in Auftrag gegeben.
Zwischen 1736 und 1740 erbaut, wurde das Schloss vom schottischen Benediktinermönch Bernhard Stuart entworfen. Es diente nicht nur als Wohnort, sondern als Ausdruck von Kreativität und gesellschaftlichem Anspruch.
Firmian wollte seine Familie in einer modernen, europäischen Kulturtradition verankern, und das Schloss spiegelte genau dieses Selbstverständnis wider.
Die Innenräume waren mit klassischen Bezügen gestaltet, während die umgebende Landschaft – See, Gärten und Berge – bewusst in das Gesamterlebnis integriert wurde. Die Natur diente nicht als Dekoration, sondern als Teil eines Dialogs.
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür ist die Figur des Antinoos in der Skulpturensammlung. Verwurzelt in der antiken Mythologie, steht sie für Schönheit, Erinnerung und Idealvorstellungen. Sie verweist auf humanistische Werte in einer Zeit, in der Macht eher durch Überfluss als durch Ideen zum Ausdruck kam.
Unter Firmian wurde Leopoldskron bewusst durch das Zusammenspiel von Architektur, Kunst und Landschaft gestaltet.

03
Unsere Geschichte
Wandel, Verlust und Unsicherheit

Die verlorenen Jahre

Das 19. Jahrhundert brachte Instabilität.
Nach der Säkularisierung Salzburgs und den politischen Umbrüchen in Europa wechselte Schloss Leopoldskron mehrfach den Besitzer. Die neuen Eigentümer verfolgten unterschiedliche Ziele - künstlerische, wirtschaftliche oder praktische - doch nur wenige konnten den ursprünglichen Geist des Ortes bewahren.
Sammlungen wurden aufgelöst, Räume verändert und Teile der ursprünglichen Substanz gingen verloren. Zeitweise wurde das Schloss als Kurhotel, Restaurant oder wirtschaftliches Projekt genutzt.
Diese Umnutzungen, oft gut gemeint, führten nach und nach dazu, dass die Einheit des Ortes verloren ging. 
Doch selbst in diesen unruhigen Jahrzehnten blieb das Schloss bestehen. Seine Silhouette am See blieb unverändert, und seine Atmosphäre war weiterhin spürbar.
Geschwächt, aber beständig, wartete es auf eine Persönlichkeit, die ihm eine neue Vision geben würde, nicht als Besitztum, sondern als kulturelles Zuhause.

04
Unsere Geschichte
Ein Ort für Kreativität und Begegnung

Die Ära Max Reinhardt

Diese Vision kam 1918 mit Max Reinhardt, einem der bedeutendsten Theaterregisseure seiner Zeit. 
Für ihn war das Schloss weit mehr als ein Wohnort. Es war eine Bühne für Ideen, Austausch und künstlerische Begegnung. Er restaurierte das Schloss mit großer Sensibilität und verband historische Relevanz mit neuer kreativer Energie.
Schriftsteller:innen, Schauspieler:innen, Komponist:innen und Denker:innen trafen sich hier, und Schloss Leopoldskron wurde zu einem wichtigen Mittelpunkt kulturellen Lebens in Salzburg.
In dieser Zeit entstand auch die Idee der Salzburger Festspiele – das Schloss als Inspiration.

Reinhardt lebte diesen Ort intensiv. Er sagte selbst, er habe „jeden Raum gelebt“. Dies ist ein Ausdruck dafür, wie eng sein kreatives Leben mit dem Schloss verbunden war. Denn Leopoldskron war für ihn keine bloße Kulisse, sondern ein aktiver Teil seines Schaffens.

05
Unsere Geschichte
Enteignung, Stille und Überleben

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus endete diese Phase abrupt.
Als jüdischer Künstler musste Max Reinhardt ins Exil gehen, und das Schloss wurde 1938 vom NS-Regime beschlagnahmt. Es handelte sich dabei um eine der frühesten und bedeutendsten Enteignungen in Österreich. 
Während des Krieges wurde das Schloss ideologisch missbraucht und materiell ausgebeutet. Inventar wurde erfasst, Sammlungen beschlagnahmt und Räume umfunktioniert. Bombenangriffe beschädigten Teile des Anwesens, und die Atmosphäre des Austauschs wurde durch Angst und Stille ersetzt.
Und doch blieb das Schloss bestehen.
Die Bausubstanz überdauerte, die Gärten blieben erhalten, und einzelne Elemente seiner früheren Identität konnten bewahrt werden – manchmal bewusst, manchmal rein zufällig.
So blieb die Grundlage für einen Neubeginn nach dem Krieg erhalten.
„Ich habe achtzehn Jahre in Leopoldskron gelebt, wirklich gelebt, und habe es mit Leben erfüllt. Ich habe es immer auf besondere, beinahe festliche Weise geliebt, nie als etwas Gewöhnliches. Das waren meine schönsten, produktivsten und reifsten Jahre … Ich habe es verloren, ohne zu klagen. Ich habe alles verloren, was ich hineingelegt hatte. Es war die Ernte meines Lebenswerks.“
Max Reinhardt, aus einem Brief an seine Frau, 1938
 

"I have lived in Leopoldskron for eighteen years, truly lived, and I have brought it to life. I have always loved it in a festive way, not as something ordinary. Those were my most beautiful, prolific and mature years ... I have lost it without lamenting. I have lost everything that I carried into it. It was the harvest of my life’s work."
Max Reinhardt, in a letter to his wife written in 1938
06
Unsere Geschichte
Dialog, Verantwortung und Neubeginn

Die Ära Salzburg Global

1947 begann ein neues Kapitel: Schloss Leopoldskron wurde zum Sitz von Salzburg Global.
Gegründet nach dem Zweiten Weltkrieg, brachte die Initiative junge Menschen aus Europa und der Welt zusammen, um Vertrauen durch Dialog und gemeinsames Lernen neu aufzubauen. Das Schloss wurde so erneut zu einem Ort der Begegnung.
Ehemalige Gegner saßen hier zusammen und diskutierten – offen, kritisch und mit dem Ziel, neue gemeinsame Wege zu finden.
Die besondere Atmosphäre des Ortes, geprägt von Geschichte, Schönheit und Ruhe, erwies sich als ideal für diesen Zweck. 
Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich Salzburg Global zu einer international anerkannten Organisation. Themen wie Menschenrechte, Governance, Medien, Gesundheit und Bildung standen bei den Programmen im Mittelpunkt.
Und obwohl sich die Welt verändert hat, blieb das Schloss konstant in seiner Rolle: Ein Ort, an dem Gespräche Bedeutung gewinnen und der dazu einlädt, über sich selbst hinauszuwachsen. 
Heute ist Schloss Leopoldskron zugleich historisches Denkmal und lebendige Institution, aus seiner Geschichte herausgewachsen und klar auf die Zukunft ausgerichtet.

Mehr Über Salzburg Global

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