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Zimmer Buchen

Die Prunkräume

Architektur, Erinnerung und Bedeutung

01
Einleitung

Entworfen vom schottischen Benediktinermönch Bernhard Stuart stellt Schloss Leopoldskron eine bewusste Abkehr von der dramatischen barocken Architektur Salzburgs dar.
Die kompakte Anlage, die klare Symmetrie und die zurückhaltende Dekoration folgen klassischen Idealen von Balance und Proportion und stehen für eine Architektur, die ebenso vom Intellekt wie vom Ornament geprägt ist.


Für Fürsterzbischof Leopold Anton von Firmian war dies mehr als ein Stil. Es war Ausdruck von Anspruch und kulturellem Selbstverständnis und zugleich eine Einordnung des Schlosses in eine europäische Tradition.
Im Laufe der Jahrhunderte haben diese Räume immer wieder neue Bedeutungen aufgenommen: künstlerische Neuerfindung unter Max Reinhardt, politische Zäsur während der NS-Zeit und schließlich die Erneuerung als Ort des Dialogs und des Austauschs.
Heute sind die Prunkräume sowohl historische Räume als auch lebendige Orte, geprägt von Schönheit, Komplexität und den Geschichten, die in diesen Räumen weiterleben.

02
Die Prunkräume
Stein, Symmetrie und Aufstieg

Die Große Halle

Der Charakter des Schloss Leopoldskron zeigt sich bereits im Material.
Die Treppe besteht aus warmem Marmor aus dem nahegelegenen Untersberg und verbindet das Gebäude sichtbar mit seiner Umgebung.
Darüber bricht feiner weißer Rokoko Stuck von Johann Kleber die strenge Geometrie. Die Decke wirkt beinahe schwerelos und ihre Formen erinnern an bewegten Stoff.
Beim Aufstieg begegnet man den Statuen der römischen Kaiser Marcus Aurelius und Septimius Severus - Sinnbilder von Intellekt, Pflicht und Macht. Sie machen deutlich, dass Architektur hier immer auch Bedeutung trägt.

Bewahrte Theaterwelt

Das Druckzimmer

Als Max Reinhardt das Schloss 1918 erwarb, verwandelte er es in einen Wohn- und Kulturort.
In diesem Raum ließ er 69 seltene Radierungen und Gemälde aus dem 17. und 18. Jahrhundert anbringen, mit Szenen barocker Gartentheater, maskierter Figuren und Motiven der Commedia dell’arte.
Werke von Künstlern wie Ferdinando Galli da Bibiena und Jacques Callot spiegeln die Theatertraditionen wider, die Reinhardts eigene Inszenierungen prägten. Heute sind sie Teil des österreichischen Kulturerbes und geben Einblick in jene künstlerische Welt, die ihn inspirierte.

Ich hätte mir gewünscht, noch einen Tag länger zu bleiben, um dieses außergewöhnliche Hotel noch intensiver zu erleben, in der traumhaft schönen Bibliothek zu schmökern, die Anlage weiter zu erkunden und die besondere Stimmung des Hauses auf mich wirken zu lassen.
Bewertung auf TripAdvisor
03
Die Prunkräume
Das Herzstück des Schlosses

Die Max-Reinhardt-Bibliothek

Die Bibliothek wurde 1927 entworfen und von der Stiftsbibliothek St. Gallen inspiriert. Sie war das kreative und intellektuelle Zentrum von Max Reinhardts Leben in Leopoldskron.
Deckenmalereien, ausgewogene Proportionen und eine verborgene Treppe spiegeln seine theatralische Vorstellungskraft wider.
Auf ihrem Höhepunkt umfasste die Bibliothek rund 15.000 Bände, darunter seltene Ausgaben, Theaterzeitschriften und persönliche Widmungen.
In die Türen aus Holz und Messing sind Davidsterne und Reinhardts persönliche Symbole eingearbeitet - Zeichen, die die Zeit des Nationalsozialismus überstanden haben.
Viele von Reinhardts Büchern konnten gerettet und ihm nach New York nachgeschickt werden, bevor sie der weiteren Verfolgung zum Opfer fielen.
Nach dem Krieg wurde die Bibliothek wieder zu einem Ort des Lernens und Austauschs.
Heute ist sie ein Raum der Ruhe und Reflexion, in dem man lesen, nachdenken und Gespräche führen kann, die bis in den Abend hineinreichen.

Weltbilder in Malerei

Der Marmorsaal

Die Decke des Marmorsaals zeigt eine Darstellung der vier Kontinente aus dem 18. Jahrhundert. Die Stuckfiguren verweisen mit Drachen und Elefanten auf Asien, mit Papageien und Affen auf Afrika, mit Alligatoren und Lamas auf Amerika sowie mit Pferden und Ochsen auf Europa.
Ergänzt wird dies durch Bezüge zu den vier Elementen, den Künsten und den Lebensphasen, ein Versuch, die Welt und die menschliche Erfahrung in einem Raum darzustellen.
Im Zentrum schuf der Salzburger Künstler Franz Anton Ebner die mythologische Hochzeit der Atalanta, eine Geschichte von Liebe, Klugheit und göttlichem Eingreifen. Die umliegenden Gemälde von Andrea Rensi erzählen von der Entstehung des Schlosses und der Geschichte der Familie Firmian.
Zugleich ist der Marmorsaal auch ein Ort historischer Brüche. Nach der Beschlagnahmung durch die Gestapo im Jahr 1938 fanden hier Propagandaveranstaltungen statt.
Nur zwei Jahre nach Kriegsende trafen sich hier beim ersten Salzburg Seminar ehemalige Gegner wieder, um über eine gemeinsame Zukunft nachzudenken.
Schönheit und Brüche liegen hier eng beieinander und machen diesen Raum zu einem Ort, der nicht an Bedeutung verliert und zugleich immer wieder neu genutzt und gedeutet wird.

Glaube und Erinnerung

Die Kapelle

Die 1744 geweihte Schlosskapelle bildet den Abschluss des Ensembles.
Ein vergoldeter Marmoraltar steht im Mittelpunkt, während helle Flächen und feiner Stuck eine ruhige, klare Atmosphäre schaffen.
Ein Altarbild von Franz Anton Ebner zeigt Maria mit dem Jesuskind sowie die Heiligen Leopold und Rupert, zentrale Figuren der Salzburger Geschichte. Elf Gemälde von Andrea Rensi ergänzen den Raum und vermitteln zentrale Inhalte der katholischen Lehre.
Obwohl Fürsterzbischof Firmian im Salzburger Dom beigesetzt wurde, wurde sein Herz unter dem Boden der Kapelle begraben und unterstreicht dadurch seine besondere Verbundenheit mit diesem Ort.

Theater, Wandel und Reflexion

Der Venezianische Salon

Ursprünglich Max Reinhardts Musikzimmer, ist der Venezianische Salon von vergoldeten Holzpaneelen und verspiegelten Wänden geprägt, die Szenen der Commedia dell’arte zeigen – einer improvisierten Theaterform des 16. Jahrhunderts.
Die Paneele wurden 1930 aus einem italienischen Palazzo übernommen und sind heute Teil des geschützten österreichischen Kulturerbes.
Die Commedia dell’arte, wörtlich „Komödie der Kunst“, war improvisiert, satirisch und überraschend inklusiv. Sie bot Frauen Raum auf der Bühne und stellte gesellschaftliche Hierarchien infrage. Für Reinhardt war sie eine zentrale Inspirationsquelle für das moderne Theater.
Der Venezianische Salon diente zudem als Vorbild für den berühmten Ballsaal im Haus der Familie von Trapp – in jener Szene, in der Maria zum ersten Mal mit dem Kapitän tanzt.
Heute lädt der Raum auch zur kritischen Reflexion ein. Figuren wie Arlecchino, oft mit dunklen Masken oder bemalten Gesichtern dargestellt, waren einst Teil der Theatertradition, werfen heute jedoch neue Fragen auf.
Der Venezianische Salon vereint Vergangenheit und Gegenwart und zeigt sich vielschichtig und ambivalent

Eleganz in sanfter Form

Der Weiße Salon

Direkt neben dem Venezianischen Salon liegt der Mansbach Weiße Salon. Er greift dessen Proportionen auf, wirkt jedoch ruhiger und zurückhaltender. Ein blau goldener Kachelofen aus der Zeit um 1740 steht im Mittelpunkt des Raumes. Seine Gestaltung ist bewusst schlichter als die des Nachbarraums.
Porträts der Familie Firmian hängen an den Wänden, eingerahmt von Stuckarbeiten aus der Entstehungszeit des Schlosses.
Zu Max Reinhardts Zeiten diente der Raum als Speisezimmer für die Familie und war mit Porzellan und Glas ausgestattet.
Nach dem Krieg wurde er zeitweise als Besprechungsraum und Kantine genutzt, bevor er sorgfältig restauriert wurde.
Heute bietet er wieder eine elegantes Ambiente für kleinere Zusammenkünfte und intime Abendessen.

Zwischen den Kulturen

Der Grüne Salon

Mit vergoldeten Spiegeln, handbemalten Paneelen und gefiltertem Licht gehört der Grüne Salon zu den prunkvollsten Räumen des Schlosses.
Er wurde in den 1920er-Jahren von Max Reinhardt gestaltet und orientiert sich stilistisch an der französischen Rokoko-Tradition der Chinoiserie – einer europäischen Interpretation ostasiatischer Ästhetik.
Was einst als Ausdruck weltläufiger Eleganz galt, wirft heute auch Fragen nach kultureller Aneignung und Deutung auf.
Reinhardts Interpretation verbindet kunsthistorische Elemente mit einer fast filmischen Inszenierung und schafft so einen Raum zwischen Hommage und Illusion.
Drei Figuren der buddhistischen Gottheit Kuan Yin stehen im Raum - ein Symbol für Mitgefühl, das im Laufe der Zeit in unterschiedlichen Geschlechtern und Darstellungsformen erschienen ist.
So entsteht ein vielschichtiger Dialog über Identität, Kultur und Wahrnehmung.

Ein Ort, an dem Ideen entstehen

Der Rote Salon

In diesem Raum im Nordosten des Schlosses traf sich Max Reinhardt im Jahr 1920 mit Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss. Gemeinsam legten sie damit den Grundstein für die Salzburger Festspiele.
Der Rote Salon war sein Arbeits- und Begegnungsraum und ein Ort, an dem Ideen Form annahmen.
Ursprünglich war der Raum in einem gedämpften Rosaton gehalten und mit dem angeblich ersten roten Teppich Salzburgs ausgestattet - ein Ausdruck von Reinhardts Sinn für Inszenierung.
1927 gestaltete man ihn um, um eine engere Verbindung zur angrenzenden Bibliothek herzustellen und einen Übergang zwischen Denken und Handeln zu schaffen. 2023 interpretierten der Designer Ken Fulk und de Gournay den Salon neu.
Bemalte Holzpaneele, sorgfältig abgestimmte Farben und skulpturale Möbel formen ein zeitgenössisches Gesamtkunstwerk, das Reinhardts Ästhetik aufgreift und zugleich weiterdenkt.
Heute dient der Raum weiterhin Gesprächen, Workshops und Leadership Formaten und bleibt ein Ort, an dem Ideen entstehen und weitergetragen werden.

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