Der Venezianische Salon, den Max Reinhardt 1930 als sein Musikzimmer einrichtete, ist eine eindrucksvolle Darstellung von Reinhardts Glauben an die Kraft des Theaters. Die kunstvollen Wandpaneele sind mit mehr als 1500 einzelnen Spiegeln und einer Sammlung von Gemälden verziert, die die Stadt Venedig und Szenen aus der Commedia dell’arte zeigen, einer italienischen Renaissance Theaterform, die dafür bekannt war, gratis und öffentlich zugänglich zu sein, politische Satire hervorzubringen, weibliche Schauspieler einzubeziehen und allen Darstellerinnen und Darstellern den gleichen Lohn zu bezahlen.
Ein wesentliches Merkmal der Commedia dell’arte ist die Verwendung von Masken, um die Identität der Schauspieler zu verändern und ihnen die Möglichkeit zu geben, verschiedene Aspekte des menschlichen Daseins zu erkunden. Die Spiegel sowie die Darstellungen von Masken im Venezianischen Salon, die die Dualität und die verschiedenen Facetten der Identität symbolisieren, reflektieren dieses Konzept. Diese Symbolik inspirierte das Projekt „Masking the Venetian Salon”, das im Jahr 2024 begann und bei dem einige Gemälde auf Grund ihrer Widersprüchlichkeit „maskiert“ und andere zur Restaurierung vorübergehend entfernt wurden.
Durch die Maskierung des Venezianischen Salons schafft das Projekt einen Dialog zwischen den historischen Merkmalen des Raums und seinen modernen Neuinterpretationen. So wie die Masken in der Commedia dell’arte es den Figuren ermöglichen, ihre ursprüngliche Form zu überschreiten, soll mit diesem Projekt die Identität des Raumes selbst verändert werden, um neue Perspektiven und kritische Interpretationen sowie neue Erzählungen zu ermöglichen. Durch diese Maskierung entwickelt sich der Venezianische Salon zu einem Raum, der sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt und gleichzeitig in die Zukunft blickt.